Zu den Branchen, die von der digitalen Revolution stark profitieren werden, gehören die Logistik und der Supply-Chain-Sektor. Beide Bereiche gehen Hand in Hand, wenn es um die Versorgung von Firmen bis hin zum Endkunden geht. Das Supply-Chain-Management ist ein besonderer Ansatz im Logistikbereich, der zur Optimierung der Wertschöpfungs- und Lieferkette führen soll. Betrachtet man die Zahlen für die wettbewerbsfähigen Branchen an, die Bitkom 2015 ermittelt hat, so ergibt sich hinsichtlich der Digitalisierung ein differenziertes Bild. Sehr gut aufgestellt sind die Branchen Maschinenbau, Automobilbau und Logistik, in diesen drei Bereichen ist Deutschland Weltmarktführer. In Bereichen wie Pharmazie, Medizintechnik, aber auch der chemischen Industrie ist die Bundesrepublik hingegen Nachzügler. Vor allem der Bereich Logistik ist hierbei eine Schlüsselbranche zur weiteren Entwicklung und Beschleunigung betriebliche Prozesse in anderen Branchen.

Internet der Dinge als Treiber

Das Internet der Dinge ermöglicht die Optimierung von Wertschöpfungsprozessen in Unternehmen. So macht eine Studie von der Deutschen-Post-Tochter DHL und Cisco Systems deutlich, wie enorm die Veränderungen alleine in der Logistikbranche sind. Bis 2020 wird mit etwa 50 Mrd. Geräten gerechnet, die mit dem Internet der Dinge verknüpft sind. Durch die effiziente Anbindung der Geräte werden sich Lager-, aber auch Frachttransportprozesse deutlich verändern und vor allem beschleunigen. Dies trifft besonders auf die Betrachtung der sogenannten letzten Meile/letzter Kilometer zu. Vorrangig stehen dann die Vernetzung von Paletten, die sichere Transportverfolgung und ein intelligentes Bestandsmanagement im Fokus. Man erwartet von der Entwicklung weltweit eine Umsatzsteigerung von 1,9 Billionen Dollar für die Logistik- und Supply-Chain-Branche zu. Wichtige Entwicklungen sind dabei die Echtzeitkommunikation über WLAN-fähige Geräte. Bestes Beispiel hierfür ist ein von Bosch Engineering entwickeltes internetfähiges System für Güterzüge, das seit 2015 im Probebetrieb in der Schweiz läuft. Das so entwickelte System sammelt zunächst verschiedene Information zum Beispiel über Temperatursensoren. Gerade diese Sensoren sich wichtig, um über die Temperatur der Ladung Auskunft zu geben. Über diesen Weg kann festgestellt werden, ob die Kühlkette während der Zugfahrt eingehalten wurde. Auch ein Erschütterungssensor ist an Bord, sodass beispielsweise bei Beschädigungen am Ladegut die Ursache nachgewiesen werden kann. Primäres Ziel ist es aber auch, durch eine entsprechende Verknüpfung eine Optimierung bei der Zusammenstellung der Ladung zu ermöglichen und so zu einer effizienten Auslastung von Güterzügen zu kommen. Und: Durch den eingebauten Kilometersensor ist es möglich, die Güterwagen optimal auf das nächste Wartungsintervall abzustimmen. Dieses System ist sowohl für die Nachrüstung wie beim Neubau von Güterwagen gedacht. Ziel des internetfähigen Systems ist eine effizientere Logistik bei gleichzeitiger Senkung der Transportkosten. Eine andere Variante intelligenter Systeme ist mit RFID (Radiofrequenz-Identifikation) umsetzbar. Nummernschilder lassen sich so zusätzlich mit RFID ausrüsten. Dies ist beispielsweise im innerbetrieblichen Verkehr wichtig, wenn Schranken mittels RFID-Technologie steuerbar sind. So öffnen sich die Schranken, wenn ein berechtigtes Fahrzeug ankommt. Auch ist es möglich, bestimmte Fahrzeuge einen Parkplatz zuzuweisen. Ziel ist es ebenfalls, die ankommenden Fahrzeuge schneller abzufertigen und trotzdem nicht auf Sicherheitsaspekte bei Werkanlagen, Häfen oder Flughäfen zu verzichten.

Die Zukunft bringt neue Lösungen

Bislang werden in Deutschland meistens Software oder cloudbasierte Lösungen für Logistik und Supply-Chain-Aktivitäten eingesetzt, die hauptsächlich im Bereich der Kontrolle der Warenströme und Optimierung der Zeitabläufe im Transportprozess verwendet werden. Wer hier noch einen Schritt weiterdenkt: Gerade der Bereich Logistik ist auch international ausgerichtet, um grenzüberschreitende Produktions- oder Handelsprozesse am Laufen zu halten. Ein System, was diese dann sehr umfangreiche Aufgabe wahrnehmen kann, gibt es allerdings noch nicht. Hier treffen über Ländergrenzen noch unterschiedliche Standards und Auffassungen aufeinander. Erst dies endgültige System würde einen zusätzlichen Wertschöpfungsschub bieten. Allerdings ist beispielsweise eine EU-Lösung dieses Problems noch nicht in Sicht, zumal im Moment nur die internationalen Unternehmen ein gesteigertes Interesse daran haben. Kleinere Unternehmen der Logistikbranche oder im Handel stehen meist erst am Anfang der Entwicklung. Zunächst dürfte damit der Schwerpunkt in Deutschland auf verbesserten Transportprozessen mittels Internet der Dinge stehen, sodass zwischen Zulieferern und dem Hauptunternehmen – wie auch gegenüber Konsumenten – auf eine noch individuellere Belieferung gesetzt wird.