Digitalisierung und Industrie 4.0 sind in aller Munde und scheinen eine magische Anziehungskraft zu besitzen. Doch manchmal schaffen die neuen Entwicklungen auch Probleme. Zwei Aspekte sind hierbei entscheidend: eine zu zögerliche Haltung des Managements, die dazu führen kann, die Entwicklung zu verschlafen und auch die Kosten für Industrie 4.0. Manch ein Inhaber, der noch mit traditionellen Produktionsweisen im Unternehmen groß geworden ist, beschäftigt sich zu wenig mit den Chancen, dann bleibt die Digitalisierung praktisch ein Buch mit sieben Siegeln. Dies trifft eher auf kleinere mittelständische Unternehmen zu. Auch die Investitionssummen gerade im produzierenden Gewerbe schrecken manchmal ab, obwohl diese bei der Zukunftsplanung unerlässlich sind.

Böse Folgen vermeiden

Bosch als Autozulieferer beispielsweise hat selber Sub- oder Subsubunternehmen, die für ihn Produktionsprozesse übernehmen. Da Bosch selbst sehr fortschrittlich im Umfeld Industrie 4.0 agiert, ist das Unternehmen auch auf Zulieferer angewiesen, die hier nacheifern können. Das heißt, wenn Leistungen eingekauft werden, wird vermehrt auf Industrie-4.0-Standards geachtet. Allen Unternehmen, die dort nicht ansatzweise mithalten können, droht damit Auslistung im Einkauf. Dies Problem besteht besonders für Unternehmen, die noch vor den Zeiten von Industrie 4.0 ihre Produktion mit Maschinen aufgerüstet haben und diese noch länger abschreiben wollen. Jetzt stehen sie vor einer neuen Herausforderung, die weiteres Kapital erfordert. Nicht nur ein neuer Produktionsprozess ist dann notwendig, sondern auch qualifizierte Facharbeiter und Akademiker, die ihre Erfahrungen anbieten können. Da gerade kleinere Unternehmen hier Probleme haben, gibt es immer noch die Möglichkeit, bestimmte Innovationsschritte extern auszulagern. Doch hier beißt sich manchmal die Katze (noch) in den Schwanz: Man hat Angst vor Datenklau oder dem Verlust von Betriebsgeheimnissen. Dabei ist die Sorge unbegründet, wenn ein entsprechendes IT-Konzept vorliegt, das dies verhindert. Hier muss manch ein Unternehmen sicherlich noch ein paar Dinge nachholen, denn ohne einheitlich Software- und Schnittstellstandards wird es in Zukunft nicht gehen. Das heißt, bestimmte Auftraggeber werden auf diesen Standards bestehen, um selbst den Ablauf in ihrem Unternehmen sicherzustellen. Damit sind Zulieferer, egal ob klein oder groß, in der Pflicht sich den digitalen Gegebenheiten anzupassen.

Studien belegen das Dilemma

Eine Studie des Institutes für Automobilwirtschaft (IFA) der Hochschule Nürtingen-Geislingen über kleinere Automobilzulieferer mit einem Jahresumsatz von weniger als 500 Mio. Euro weist auf die Problematik hin. Insgesamt sind bei den kleineren Automobilzulieferern rund 300.000 Mitarbeiter beschäftigt. Besonders gefährdet sind Zulieferer, die sich auf die Antriebstechnik und der Herstellung von Komponenten spezialisiert haben. Diese werden gleichzeitig von der zunehmenden Produktion von Elektrofahrzeugen und dem fahrlosen Fahren in die Zange genommen. Beide basieren auf dem verstärkten Einsatz von digitalen Lösungen und einer Schnittstellenkommunikation mit den Automobilherstellern. Hinzu kommt noch nach Meinung der Unternehmensberatung JDA ein weiterer Aspekt. Wenn Zulieferer die Digitalisierung weiter vor sich herschieben, treten neue Akteure auf den Plan, die die Lücke schließen und so zum Zulieferer aufsteigen können. Gerade digital orientierte Start-ups aus dem Bereich Maschinenbau, Elektrotechnik und IT stehen hier in den Startlöchern, um den Etablierten Konkurrenz zu machen. Da diese neuen Player jedoch nicht so in der Tradition verwurzelt sind, werden dann neue Allianzen geschmiedet zwischen verschiedenen Unternehmen, um zum Erstausrüster im Fahrzeugbau zu werden. Wie stark der Markt in Wallung ist, zeigt auch ein Blick zum Silicon Valley: Jedes zweite Start-up beschäftigt sich hier in irgendeiner Form mit Mobilität. Da gerade Start-ups häufig über eine hohe Entwicklungsgeschwindigkeit verfügen, ist abzusehen, dass diese über kurz oder lang den etablierten Anbietern Konkurrenz machen werden. Viele Automobilzulieferer denken deshalb darüber nach, ob sie nicht interessante Start-ups kaufen oder eine Allianz unter Gleichgesinnten schmieden sollen. Aber zwei Dinge wären dann auch unerlässlich: Sich selbst an Industrie 4.0 aktiv zu beteiligen, eine zukunftsweisende Digitalstrategie zu entwickeln und dafür auch genügend Geld in die Hand zunehmen, um auch ein wichtiger Teil der Kooperation zu sein. Das bedeutet letztendlich nichts anderes als den Umbau der Lieferkette. Der Supply-Chain-Ansatz kann dann die Lösung sein. Doch auch wer nicht so groß denkt, kann profitieren. Hier bieten zahlreiche externe Dienstleister auch Lösungen im kleineren Maßstab an. Den entscheidend ist das Umsetzen digitaler Technik nach seinen eigenen Möglichkeiten, damit man langfristig nicht von der gesamten digitalen Revolution abgehängt wird.