Die Transport- und Logistikbranche ist eine der zentralen Säulen der deutschen Wirtschaft. Ohne die Transport- und Lagerleistungen würde die wirtschaftliche Entwicklung des Landes weit weniger stabil laufen. Trotzdem ist hier die digitale Transformation noch nicht angekommen. Wie die Unternehmensberatung Horvath und Partner aus Stuttgart feststellte, handelt es sich noch um einen Flickenteppich. Einzelne Leuchttürme bestimmen die Diskussion. Zwar ist in Teilen eine deutliche Zunahme der Digitalisierung zu verzeichnen, jedoch hinken besonders der Luft- und Schienenverkehr noch deutlich hinterher. Horvath und Partner identifizierten vier Bereiche für eine erfolgreiche digitale Transformation.

  1. Kundenansprache
  2. Datenanalyse
  3. Automatisierung
  4. Vernetzung

Logistiker sind Schlusslicht

Trotz doch vieler positiver Nachrichten reitet die Logistikbranche der Digitalisierung hinterher, so lautet zumindest das Fazit des Digital Process Index (DPI), der von der d.velop AG in Gescher herausgegeben wird. Dieser Index bildet den digitalen Reifegrad von Geschäfts- und Produktionsprozessen ab. Die ITK-Branche ist – wenig überraschend – digitaler Vorreiter, die Logistik- und Transportbranche bildet bei zehn betrachteten Branchen das Schlusslicht. Dies ist bemerkenswert, denn gerade die Optimierung von Lagerhaltung oder Frachtvolumen ist eine wichtige Stellschraube. Nicht zu vergessen: Eine verbesserte Routenplanung und störungsfreie Anlieferungen sind die Kernaufgaben der Branche, die noch nicht optimiert wurden. Es scheint so, dass die Bedeutung noch nicht ausreichend erkannt wurde. Als Indikator kann hier die klare Definition von Aufgaben und deren Verantwortung in der digitalen Entwicklung gesehen werden. Wobei die natürlich bei kleineren Unternehmen auch an externe Berater und Entwickler ausgelagert sein kann. Dennoch dürfte zukünftig gerade bei den Logistikern die Digitalisierung die normative Kraft des Faktischen bei der Weiterentwicklung des Unternehmens sein. Schließlich bedeutet Stagnation in heutiger Zeit Rückschritt.

Besonders wichtig: die Ersatzteilversorgung

Alle technischen Geräte sind mehr oder weniger störanfällig. Schnell werden dann Ersatzteile benötigt, um beispielsweise die Produktion schnellstmöglich wieder ungestört aufnehmen zu können. Dieser After Sales Service ist damit wichtig, um Nutzungsprozesse in Gang zu halten. Wie am Beispiel VW Ende August zu sehen war, kann bereits der Ausfall eines Zulieferers die ganze Produktion zum Erliegen bringen. Insofern ist eine vorausschauende Teile- und Ersatzteilversorgung unerlässlich. Gerade im Fahrzeugbau müssen Ersatzteile über Jahre auch gut bevorratet sein. Der Fahrzeugbauer Scania hat in Belgien ein Lagerungssystem für 115.000 Ersatzteile aufgebaut, die bei Bedarf binnen 12 Stunden ausgeliefert werden können. Dennoch: Auch das beste System kann nicht ordnungsgemäß beispielsweise bei Bahnstreiks funktionieren. Das Problem ist also nicht die Lagerhaltung, sondern der Transport zum Kunden oder Werkstätten. Abläufe müssen so automatisiert und vernetzt werden, dass Störungen und deren Auswirkungen möglichst gering bleiben. Hierzu hat sich Big Data als eines der wichtigsten Instrumente gezeigt. Das Sammeln von Daten und deren vielschichtiger Auswertung und Aufbereitung ist ein Erfolgsfaktor. So kann über Algorithmen der Ersatzteilbedarf, die Auslastung der Transportsysteme und deren Störanfälligkeit simuliert werden. Dies erleichtert es dann, Maßnahmen zu treffen, um vorausschauend die Ersatzteilversorgung zu planen und besser auf die Marktbedürfnisse abzustimmen. Aber nicht nur dass: Auch der Notfall kann über diesen Weg simuliert werden. Dies ist besonders wichtig, wenn auf andere Transportsysteme gewechselt werden muss. In der Planung müssen bereits Alternativen berücksichtigt werden. Beispielsweise, wenn das Flugpersonal streikt und so wichtige Güter nicht schnell transportierbar sind. Dann heißt es, auf einen geeigneten zweiten Lieferweg zu wechseln und dies beispielsweise Kunden automatisch mitzuteilen. So kann sich dieser dann selbst schnellstmöglich an die neuen Bedingungen anpassen.

Die Entwicklung geht weiter

Doch die Entwicklung ist noch längst nicht zu Ende. Gerade im Automobilbau hat die Lagerlogistik für Ersatzteile eine sehr große Bedeutung. Nicht selten müssen Ersatzteile noch 30 Jahre oder sogar länger verfügbar sein. Dies schafft zum einen einen sehr hohen Lagerungsaufwand, zum anderen spielen die Transportkosten pro Ersatzteil eine immer größere Rolle. Daher dürfte hier zunehmend der Weg Richtung 3-D-Druck eingeschlagen werden. Das heißt, der Fahrzeughersteller bringt nicht mehr das physische Teil zum Kunden, sondern stellt entweder eine digitale Software zur Verfügung, mit dem das Teil gedruckt werden kann, oder hat vor Ort eine eigene digitale Einheit, mit der dieses Teil nachproduziert werden kann. Auf jeden Fall würde sich damit die Beschaffungsgeschwindigkeit erhöhen, und auch die Störanfälligkeit in der Transportkette wäre wesentlich geringer.