Während die eine Branche einen Digitalisierungsschub erfährt, hinkt die andere hinterher. Aber dieses Phänomen gibt es auch in Unternehmen selbst. So kann die Produktion bereits auf Industrie 4.0 getrimmt sein, die Personalabteilung aber nicht. Dabei kommt es darauf an, dass möglichst alle Bereiche auf die digitale Revolution eingeschworen sind. Dass dies nicht immer ganz einfach ist, ist verständlich.

Digitalisierung im Hinterzimmer

Automatisierung ist nicht alles, das wissen vor allem Personaler. Hier kommen andere Aspekte hinzu, die den neuen Entwicklungen auch entgegenstehen können. Zum Beispiel spielt der Datenschutz eine Rolle, und andere Bereiche wie der Rechtsbereich oder Arbeitsschutz müssen manchmal noch mit der Produktion synchronisiert werden. Aber es gibt auch Fälle, da endet die Digitalisierung in den Abteilungen, ein übergreifendes System ist noch nicht implementiert. Rechtliche Aspekte unter anderem bei Versicherungen oder Banken und deren Regulierungen können ebenfalls ein wichtiges Hindernis für eine schnelle Digitalisierung sein. Es sind also nicht immer nur analoge Bremser am Werk, es kommt auch auf die Branche an. Dennoch verbleibt dann der Fortschritt im Unternehmen im Hinterzimmer und kommt nicht auf die Bühne. Auch die Unternehmenskultur ist ein demnach wesentlicher Faktor. Werden beispielsweise neue kreative Lösungen schon im Keim erstickt oder nur nebenbei betrieben, ist vorhersehbar, dass die Digitalisierung eine lahme Ente bleibt. So befragte die Unternehmensberatung CSC unter diesem Hintergrund 1.000 Arbeitnehmer und veröffentlichte die Ergebnisse der Studie in „Digitale Agenda 2020 – Human Resources“. Der Schwerpunkt der Studie lag auf dem Personalbereich und untersuchte sowohl die Ausgangslage in Unternehmen mit der Einschätzung von Defiziten wie auch die Wünsche der Befragten. Die Wünsche dabei sind für den Personalbereich eindeutig: die Förderung von Innovation, eine Belohnung für kreative Lösungen und die Auflösung von Abteilungsgrenzen, um diese Lösungen im Unternehmen zu forcieren. Es ist also eher eine strukturelle Kritik an den Unternehmen; sowohl Hierarchien wie auch zu starre Strukturen sorgen noch für mangelnde digitale Effizienz im Arbeitsalltag. Hieraus resultiert eine wesentliche Aufgabe, nämlich eine Unternehmenskultur zu schaffen, die auch eine digitale Revolution in allen Unternehmensbereichen ermöglicht.

Nachholbedarf im HR-Bereich

Da Mitarbeiter mit ihren Fähigkeiten die wichtigste Ressource in einem Unternehmen sind, ist es etwas verwunderlich, dass im Personalbereich die Synergien noch nicht richtig erkannt sind. Denn auch hier gäbe es Möglichkeiten, die Effizienz der Aufbau- und Ablauforganisation zu verbessern. So könnte es ein Ziel sein, Routinetätigkeiten digital zu standardisieren, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Was auf der Hand liegt, muss jedoch noch nicht in den Köpfen sein. So befragte die ADP Employer Service GmbH 50 Personalverantwortliche nach dem aktuellen Stand in ihrem Bereich und nach Trends. Die Studie zeigt Defizite bei der Umsetzung Richtung digitale Welt. So besteht bei den meisten Personalleitern nicht der Wunsch, die vorhandenen Kosten- und Qualitätspotenziale in ihrem Unternehmen auszuschöpfen. Beispielsweise wird nicht angestrebt, mit digitalen Personalakten (eAkte) zu arbeiten, man bevorzugt immer noch die Papierform. Nur 12 Prozent setzen bislang eine digitalisierte Personalakte ein. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch im Bereich der Personalplanung und des Bewerbermanagements, auch hier findet die Digitalisierung bisher nur geringe Zustimmung. Andere Teilbereiche wie Reisekostenmanagement oder Personalbuchhaltung sind hingegen schon in der digitalen Welt angekommen. Hier werden entweder Softwarelösungen eingesetzt oder Arbeitsabläufe aus dem Unternehmen ausgegliedert. Bei den wenigen Befragten, die bislang schon digitale Lösungen verwenden, gaben lediglich 6 Prozent an, dass sie damit ganz oder teilweise unzufrieden sind. Die Mehrheit der HR-Verantwortlichen ist somit mit den eingesetzten digitalen Angeboten zufrieden. Als Grund dafür, dass bislang nicht der Fortschritt Einzug gehalten hat, wurde hingegen eine Unzumutbarkeit angegeben. Vielleicht sehen sich manche Personalabteilungen noch herausgehoben aus dem täglichen Geschäft des Unternehmens. Dabei sollten hier Kosten-Nutzen-Analysen Auskunft darüber geben, welche Schritte bei der unternehmerischen, digitalen Gesamtstrategie sinnvoll sind. Dies sollte nicht vor den Toren des HR-Bereiches enden. Vielmehr braucht es auch Lösungen, die auf den Erfolg des gesamten Unternehmens ausgerichtet sind und nicht nur auf die klassischen Aufgabenfelder der digitalen Welt. In anderen Kulturen wie Südostasien sieht man dies jedenfalls pragmatischer und baut kein Schutzschild um bestimmte Bereiche. Dass dabei natürlich die hiesigen Gesetze zu beachten und diese beim Personalbereich von besonderer Bedeutung in der täglichen Arbeit sind, ist selbstverständlich und wird bei den richtigen digitalen Softwarelösungen beachtet.