Betrachtet man in die Geschichte, so stellt man fest, dass man sich schon vor bald 200 Jahren Gedanken über die Übermittlung von Daten durch Codes machte. Das bekannteste Beispiel ist der Morse-Code, der es ermöglichte, witterungsunabhängig zu kommunizieren und Daten auszutauschen. Damals revolutionär: Die Daten konnten über eine bestimmte Entfernung übertragen werden. Heute findet eine Entwicklung ähnlicher Dimension statt. DVB-T Fernseher oder Radios stehen praktisch in allen Haushalten, und analoges Telefonieren ist in Deutschland eher die Ausnahme als die Regel. Fast unbemerkt sind die Änderungen erfolgt, ohne dass diese großartig registriert wurden. Doch die Digitalisierung ist in viel größerem Umfang auch in Unternehmen und in den beruflichen Alltag eingezogen. Ein Motor dabei war der Adobe Reader. Von nun an war es möglich, Texte einzuscannen und zu verarbeiten. So konnten mittels Signatur Originaldokumente versendet werden, ohne noch auf Papier zurückgreifen zu müssen, um diese über den Postweg zum Kunden zu schicken. Von jetzt an reichten ein PC, eine Betriebssoftware, eine stabile Internetverbindung und ein E-Mail-Programm, um Verträge zu schließen. Zum einen wurde dadurch der Ablauf beschleunigt, zum anderen wurden auch Umweltressourcen für Papier geschont.

Deutschland braucht einen Schub

Schaut man heute auf die Digitalisierung in Deutschland, so besteht zwar ein verbreitetes Interesse daran, jedoch fehlt es noch am Innovationswillen. Das macht sich schon an einem Punkt deutlich: Für den Ausbau des „schnellen Internets“ ist der Bundesverkehrsminister zuständig, für die Regulierung des Breitbandmarktes hingegen der Bundeswirtschaftsminister. Die Aufspaltung auf zwei Ministerien ist eine Investitionsbremse. Allerdings hat die Politik das Problem erkannt und möchte dies zukünftig über eine Digitalagentur regeln. Dass sich etwas tun muss, ist ins Bewusstsein eingedrungen. Erst das flächendeckende Glasfasernetz würde die digitale Revolution in Deutschland nachhaltig stärken, auch wenn hier Investitionskosten bis 2025 von rund 100 Mrd. Euro im Raum stehen. Betrachtet man die Daten für die Marktkapitalisierung der Internetwirtschaft, so liegt die USA mit mehr als 1,1 Billionen Dollar weit vorn. Deutschland kommt in diesem Vergleich nur auf magere 34,3 Mrd. Dollar. Diese Kluft ist gewaltig, denn Amazon, Google und Co. treiben die Entwicklung vor sich her. Der Deutsche Mittelstand scheint hier seine Chance zu verschlafen. Zu lange wurde sich auf „Made in Germany“ ausgeruht. Lediglich im Bereich Automotive und Teilbereichen des Maschinenbaus sieht es besser aus. Woran liegt das langsame Zurückfallen Deutschlands? Zwei Faktoren sind wichtig. Zum einen wird die Notwendigkeit noch nicht immer gesehen, zum anderen fehlen mittlerweile auch Fachkräfte. Gute Mitarbeiter gehen gerne zu den großen Automobilkonzernen wie Mercedes Benz oder VW. Diese Fachkräfte stehen dem Mittelstand dann nicht zur Verfügung, und er wird so von innovativen Entwicklungen zunehmend abgehängt. Was dabei jedoch gerne übersehen wird: Es gibt eine große Anzahl Digitalisierungsdienstleister, die in diese Lücke springen könnten. Gerade junge Unternehmer oder Gründer, die sich für neue Trends begeistern können, sehen ihre Zukunft im eigenen Unternehmen. Sie möchten ihr Knowhow lieber vielen Betrieben zur Verfügung stellen als einem einzigen.

Potenziale erkennen

Wichtigstes Element der Digitalisierung ist die Vernetzung, die Menschen, Maschinen, Sensoren und Software zusammenbringen soll. Wenn man dem US-Unternehmen Cisco Glauben schenkt, so steckt in diesem Geschäft ein Umsatz von 19 Billionen Dollar. Eine gigantische Summe. Dabei wird das Netz zwischen den einzelnen Akteuren im Datenkreislauf immer enger. Das hat auch Einfluss auf die Arbeitswelt. Wichtig bei der Digitalisierung ist inzwischen das Thema Echtzeit. Mussten früher beispielsweise Excel-Dateien erst von einem Mitarbeiter zum nächsten geschickt werden, ist heute eine zeitnahe Arbeit durch viele berechtigte Mitarbeiter möglich. Dies beschleunigt Prozesse und steigert die Effizienz der Mitarbeiter. Zudem werden zeitliche Freiräume für andere Arbeiten geschaffen. Doch auch ein neuer Trend lässt sich feststellen. Kunden werden quasi zu Mitarbeitern bei der Entwicklung ihrer Lieblingsmarke. Dazu zählen nicht nur Befragungen, über Netzwerke steuern sie auch ihre Ideen bei, wie die Unternehmensberatung Accenture durch Marktbeobachtungen herausfand. Das Mittel der Wahl ist hierbei Crowdsourcing. Dies kann nicht nur zu spannenden Denkanstößen führen, vielmehr können sich Kunden auch noch mehr mit dem Produkt identifizieren. Und: Die Kunden bringen ihre Anregungen völlig kostenfrei in das Unternehmen ein. Allerdings hat so eine Zusammenarbeit auch ihre Grenzen, denn eines wollen Kunden auch nicht: durch Rückfragen genervt werden. Schließlich ist nicht jeder bereit, über seine Ideen Auskunft zugeben. Deshalb sollte als Anreiz so eine Mitarbeit in jedem Fall durch sinnvolle Preise oder durch Vorabkäufe eines Produktes belohnt werden.