Das Kernthema der Cebit 2016 in Hannover ist die Digitalisierung. Euphorisch wird dies als die Billionenchance für die IT-Branche angepriesen. Was sich zunächst etwas übertrieben anhören mag, ist doch Realität. Nicht weniger als ein Strukturwandelt steht an, der sich auf alle Bereiche von Produktion, Handel, Dienstleistungen und nicht zuletzt dem Verkauf auswirkt. Digitale Systeme helfen dabei in Unternehmen, die Datenflut zu Produktionsprozessen, Lieferanten und Kunden zu erheben, zu verarbeiten und auszuwerten. Durch diese digitale Vernetzung von Wertschöpfungsketten lassen sich dann Produktionszeiten verkürzen, Innovationszyklen beschleunigen und Lieferketten synchronisieren. Doch diese Vorteile sind noch nicht in allen Köpfen angekommen. So titulierte Deloitte Digital und Heads! eine Studie mit den markigen Worten „Überlebensstrategie Digital Leadership“ „Unternehmen müssen sich der Digitalisierung stellen“. Nach dieser Untersuchung sind folgende Bereiche besonders nachhaltig von dieser Entwicklung betroffen: Medien, Banken, Versicherungen und Handel, weniger stark beispielsweise Energieerzeugung, Gesundheitswesen oder Landwirtschaft, während die Auswirkungen im Bereich Bauen erst langfristig zu spüren sein werden. Einzig der Bergbau ist davon kaum betroffen. Weiterhin ermittelte Forester im Jahre 2014, das zwar 74 % der Großunternehmen wissen, das eine Digitalisierungsstrategie notwendig ist, aber nur 15 % sehen sich dafür auch tatsächlich gut gerüstet. Laut BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie) wird in Europa mit einem Wertschöpfungsplus von 1,25 Billionen Euro bis 2025 gerechnet, alleine 425 Milliarden Euro entfallen dabei auf Deutschland.

Wie die Zahlen verdeutlichten, sind die Auswirkungen gigantisch, es ist schlicht eine neue industrielle Revolution im Gange. Wo die Reise genau hingeht, bestimmen aber nicht nur die Unternehmen selbst, auch die Kunden werden zu einem entscheidenden Faktor. Bislang gut aufgestellte Firmen müssen ihre Strategien weiterentwickeln. Wer Verbraucher im Visier hatte, der analysierte beispielsweise über Social Media die Bedürfnisse. So stehen dabei Facebook, Google+ oder Twitter hoch im Kurs, manch ein Unternehmen setzt auch mobile Apps ein, um dadurch besser mit seinen Kunden zu kommunizieren. Doch das alles wird bald nicht mehr ausreichen. So bilden Social-Media-Kanäle häufig nur Meinung ab, aber eben nicht tatsächliches Handeln. Als extremes Beispiel sei hier „Shitstorm“ genannt, eine emotionale, meist ideologisch motivierte Attacke auf ein Unternehmen oder Produkt. Diese Äußerungen lassen meist keinen Schluss auf irgendetwas zu, da ein Shitstorm gar nicht auf die Nutzer eines Produktes zurückgeht, sondern auf eine kleine Gruppe von „Gegnern“. Dieses Problem lässt sich digital umgehen. Ein weiterer Punkt ist die nicht kontrollierbare Zeit, bis eine Stellungnahme über die Social-Media-Kanäle überhaupt erfolgt. Daher geht die Entwicklung hin zu Apps auf Smartphone oder Tablets, mit denen eine Echtzeitkommunikation möglich ist, um schneller auf die Wunsche von Verbrauchern eingehen zu können. Eine Entwicklung geht dabei zu Wearables, also tragbaren Computersystemen, beispielsweise Smartwatches im Verbraucherbereich. Hier können Gleichgewichtssensoren in eine Uhr integriert sein, die gerade ältere Menschen vor möglichen Stürzen warnen können oder bei Stürzen die Rettungskette automatisch in Gang setzen. Auch die Nebenwirkungen von Medikamenten können hiermit aufgezeichnet werden. Andere Wearables sind zum Beispiel Activity Tracker, Datenbrillen (Google Glass) usw. Ein weiterer Trend ist Augmented Reality. Die „erweiterte Realität“ bietet vielfältige Einsatzmöglichkeit, beispielsweise bei der Wartung von technischen Geräten. Dabei können dem Monteur beispielsweise Bestandteile angezeigt werden, die ausgetauscht werden müssen. Ein ganz simples Beispiel: das Diktiergerät, das den Text automatisch in ein Textprogramm einpflegt und formatiert, sodass unter einen Vertragstext nur noch die Unterschriften gesetzt werden müssen.

Das Analysehaus Tata Consultancy Services (TCS) hat ermittelt, dass es besonders in Deutschland an der Umsetzung mangelt. So hatten im Jahr 2014 rund 60 Prozent der Unternehmen noch keine Produkte oder digitalen Services auf dem Markt oder waren noch nicht in der Entwicklungsphase hierzu. Nicht nur Asien mit 74 Prozent, sondern auch Lateinamerika mit 73 Prozent waren hier deutlich weiter. Lediglich die deutsche Automobilbranche ist auf der Höhe der Zeit und ein Vorreiter in Deutschland. Einzig Cloud Computing wird hierzulande bereits intensiver genutzt. Dass jedoch die Digitalisierung einen echten Mehrwert bietet, zeigt die Studie von TCS auch. So stieg der Umsatz bei den Vorreitern um durchschnittlich 50 Prozent an, während es bei Nachzüglern nur noch geringe Effekte hatte. Und: Die Deutsche Unternehmen investieren im Mittel anteilig nur rund ein Viertel dessen, was international führende Unternehmen für digitale Technologien aufwenden. Das ist deutlich zu wenig, um noch in Zukunft erfolgreich zu sein.