Wer das Wort Big Data hört, denkt zunächst vielleicht an Abhörskandale durch das Abschöpfen größerer Datenmengen. Wichtig besonders für Unternehmen ist jedoch ein anderer Aspekt: die legale Verwaltung und Nutzung größerer Datenpakete. Gerade die strukturierte Sammlung und Nutzung stecken bei vielen Firmen noch in den Kinderschuhen. Dies zeigt eine Analyse der Unternehmensberatung Deloitte Deutschland aus dem Jahr 2014. Demnach rechnen 87 Prozent der befragten Manager mittelständischer Unternehmen für die Zukunft mit deutlich wachsender Datenflut bei gleichzeitig zunehmendem Zeitdruck, unter dem Entscheidungen zu treffen sind. Im vergangenen Jahr stellt der Big-Data-Fachausschussvorsitzende des VDI, Thomas Froese, fest: „Die Lage im Mittelstand ist katastrophal!“ Vielfach noch lautet die Frage: Warum Big Data? Nach seiner Einschätzung haben zwar viele Großunternehmen schon Lösungen gefunden, um große interne Datenmengen zu verarbeiten oder entwickeln gerade ihr Big Data Analytics System, aber am Mittelstand ist diese Entwicklung praktisch vorbeigegangen. Was bei den großen Unternehmen funktioniert und bei kleineren Unternehmen noch nicht: der richtige Umgang mit Datenmengen aus dem eigenen Betrieb. Dabei gilt es, folgende Aspekte im Fokus zu behalten: die Datenmenge, die Geschwindigkeit – heute stehen schon Daten in Echtzeit zur Verfügung – und die Datenvielfalt aus unterschiedlichen Quellen. Hier gilt es dann zu analysieren und die richtigen Schlüsselwörter zu finden, um auch das Big-Data-System richtig nutzen zu können. Inzwischen gibt es hierzu verschiedene Softwareprogramme, die die Auswertung von großen Datenmengen erleichtern. Aber nicht nur das, auch die Datenverwaltung muss gleichzeitig optimiert werden. In vielen Unternehmen gibt es noch keine synchronisierten Datenbestände. So kann aus diesem Grund beispielsweise bei einer Bank die Bonität einer Person oder eines Unternehmens je nach Abteilung unterschiedlich ausfallen.

Die Lage im Mittelstand ist katastrophal

Thomas FroeseVorsitzender des VDI/VDE-Fachausschusses Big Data

Der Siegeszug von Big Data

Die Masse der Daten gelangt dabei auf unterschiedlichen Wegen zum Unternehmen: über Kundenkarten, Bewertungen im Internet, Sensoren in Handys und Maschinen. Die Menge dieser Daten, die täglich gesammelt wird, steigt ständig. Dabei ist es entscheidend, die Informationen nicht bloß in „Datensilos“ zu sammeln, denn hier verbergen sich häufig Schätze, die noch gehoben werden müssen. So können aus den gewonnenen Informationen zündende Ideen entstehen, beispielsweise für neue Produkte oder die Optimierung von Dienstleistungen. Ziel ist immer, neue Zusammenhänge zu entdecken. Das reicht von Veränderungen des Konsumentenverhaltens bis zur Reduzierung von Fehleranfälligkeit von Maschinen oder von Wechselwirkung von Medikamenten. Die Palette der Einsatzmöglichkeiten ist schier unerschöpflich. Sie erstreckt sich beispielsweise bei Elektromotoren auf Teile, die besonders schnell verschleißen, und geben Aufschluss darüber, zu welchem Zeitpunkt diese ausgetauscht werden müssen. Das spart Zeit und Geld. Daraus resultiert auch eine weitere Möglichkeit: Wenn Unternehmen die durchschnittliche Betriebsdauer von Teilen in einem Produkt berechnen können, können sie Kunden auch in bestimmten Zeitintervallen darauf ansprechen. Dies steigert die empfundene Servicequalität und bietet den Kundenberatern gleichzeitig die Möglichkeit, auf neue Produkte, Innovationen etc. hinzuweisen. Sogar auf Bauernhöfen hält das Thema langsam Einzug. Deswegen ist die Auswertung der Datenflut nicht nur etwas für Großunternehmen, sondern auch für den Mittelstand. Die Investitionen in diesem Segment werden zunehmen, Experten rechnen mit einer Verdoppelung binnen zwei Jahren, wobei der Großteil der Investitionen in den Bereich Software und Datenservice gehen.

Die Bedeutung von Big Data für Unternehmen

Doch nicht nur interne Daten sollten zur großen Datenanalyse herangezogen werden, auch externe Quellen liefern viele zusätzliche Informationen. Egal ob Produkte, Dienstleistungen oder sogar Mitarbeiter, es gibt eigentlich zu jedem relevanten Thema Daten über das Internet. So ist es möglich, interne Daten mit externen abzugleichen, beispielsweise Kundenmeinungen auf Bewertungsportalen mit den eigenen analysierten Informationen. So ähnlich machen es die beiden größten Datensammler Google und Facebook. Das Ziel beider Unternehmen ist es, möglichst zielgerichtete Werbung beim User zu platzieren. Dabei wird sein Surfverhalten genau unter die Lupe genommen, beispielsweise, welche Suchbegriffe bei Google eingegeben werden. Das hat zur Folge, dass Angebote in später aufgerufenen Webseiten platziert werden, auch wenn der Betroffene etwas ganz anderes im Sinn hat. Das kann allerdings zu einem Overboost führen, auf den der User genervt reagiert. Hier gibt es also selbst bei den großen Datensammlern noch Entwicklungsbedarf, um dies zu verhindern.
Entscheidend ist immer die Strategie bei der Datenanalyse. Am Anfang muss ein Geschäftsprozess stehen, der sicherstellt, dass aus dem Datenwust die richtigen Informationen ermittelt werden. Nur bei der richtigen Analyse lassen sich aus schlummernden Daten auch tatsächlich Wettbewerbsvorteile generieren. Ganz egal ob Finanzdienstleister, Handel, Konsumgüterindustrie oder Pharma, die internen Daten brauchen nur richtig verknüpft zu werden. Hierfür gibt es inzwischen Softwarelösungen, die diesen Prozess beschleunigen.